Forderung: naturwissenschaftliche Bildung schon in der Grundschule stärken
2004-05-28
Nur wenn es gelingt, Schüler möglichst frühzeitig für Naturwissenschaften und Technik zu interessieren, kann der Technologiestandort Hessen gedeihen – so die Position der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (IHKn), des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) – Landesverband Hessen, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). In einer gemeinsamen Initiative empfehlen sie eine deutliche Stärkung der Naturwissenschaften bereits in der Grundschule und die Einführung eines neuen Faches „Naturphänomene“. In einem Acht-Punkte-Katalog haben sie unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern ihre Forderungen zusammengetragen und am Freitag (28. Mai) bei der IHK Darmstadt vorgestellt.
„Die Innovationsfähigkeit der hessischen Wirtschaft hängt maßgeblich davon ab, dass erstklassig ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen. Dazu muss bei jungen Menschen bereits ab dem Kindergarten das Interesse und die Neugier an naturwissenschaftlichen Phänomenen kontinuierlich entwickelt werden “, so Dr. Michael Römer, Präsident der IHK Darmstadt und Vorsitzender des VCI, Landesverband Hessen. Die Akteure wenden sich mit ihren Forderungen an die Landesregierung und verstehen ihre Forderungen als Beitrag zu den anstehenden Reformen der Lehrerbildung und der geplanten Verkürzung des gymnasialen Bildungsganges.
„Der internationale Vergleich zeigt, dass trotz der jüngst wieder gestiegenen Studentenzahlen in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen weiterhin Handlungsbedarf besteht“, betonte Gerd Weyrauther, Geschäftsführer des VDI Hessen. Frühzeitig müsse deshalb das Bildungspotenzial in der Schule optimal ausgeschöpft werden.
Zu den wichtigsten Forderungen gehört die Einführung eines interdisziplinären Faches „Naturphänomene“ in der 5. und 6. Klasse. Es soll eine Brückenfunktion zwischen den naturwissenschaftlich-technischen Inhalten des Sachunterrichts und den Einzelfächern in der weiterführenden Schule übernehmen.
Erweiterte Lehrerausbildung
Wichtig ist nach Meinung der Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft auch eine bessere Sachausstattung der Schulen, zum Beispiel für den experimentell angelegten Unterricht, sowie der gezielte Aufbau von Lernwerkstätten. Schulen, die im naturwissenschaftlich-technischen Bereich besondere Aktivitäten ausweisen, sollten als „Modellschulen“ anerkannt und in besonderer Weise gefördert werden, um den regionalen Transfer zu unterstützen.
Erfahrungen aus der Schulpraxis schilderte Reimund Krönert vom Schuldorf Bergstraße: „Inhaltlich orientieren wir uns am gleichnamigen Unterrichtsangebot in Baden-Württemberg. Dort kennzeichnet eine starke Eigenaktivität der Schüler den Unterricht: Sie führen fast alle Versuche selbstständig durch. Darüber hinaus wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Er verzichtet bewusst auf den Aufbau einer Fachsystematik, wie sie dann ab der siebten Klasse etwa in Physik erfolgt, und orientiert sich an den Erfahrungen der Altersgruppe – ohne dass dabei der Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit aufgegeben wird.“
Der vollständige Acht-Punkte-Katalog, der im vergangenen Jahr durch Wirtschaftsvertreter, Repräsentanten wissenschaftlicher Gesellschaften sowie Experten aus Schulen, Hochschulen und Unternehmen erarbeitet wurde, ist hier im Internet zu finden:
Der Katalog ist im pdf-Format gespeichert. Zum Abrufen benötigen Sie den Acorbat-Reader, den Sie >>hier kostenfrei herunterladen können.