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Unterzeichner des Ausbildungspaktes ziehen Bilanz für 2004:
Der hessische Ausbildungsmarkt zeigt positive Signale - Massive Lehrstellenakquisition erfolgreich / Hessischer Ausbildungspakt greift
2005-03-04
„Der Ausbildungspakt greift. Die schlechten Prognosen des vergangenen Frühjahrs sind nicht eingetroffen. Die Ausbildungsplatzabgabe hätte die Situation am Ausbildungsstellenmarkt nicht gebessert, sondern deutlich verschärft“. Diese erste Bilanz zogen die Unterzeichner des hessischen Ausbildungspaktes nach einer Konferenz unter Leitung des Hessischen Wirtschaftsministers Dr. Alois Rhiel heute am Frankfurter Flughafen. Gastgeber war Dr. Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, eines der großen ausbildenden Unternehmen in Hessen.

In Hessen wurden 2004  38.727 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das ist seit 2001 erstmals eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent zum Stichtag 30.September 2004.Insbesondere der Bereich der Industrie- und Handelskammern trug mit einem Zuwachs um 5,7 Prozent hierzu bei. Im Hinblick auf die nach wie vor schwache Konjunktur, den noch immer sehr starken Strukturwandel und die bestehende Arbeitsmarktproblematik ist dies ein erfreuliches Ergebnis. Dies gilt es in 2005 zu halten und auszubauen. Die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden ist in Hessen weiterhin ansteigend. Besonderer Handlungsbedarf ist im Bereich der so genannten Altbewerber geboten, der mittlerweile bei fast 50 Prozent liegt. Auch 2005 wird die Zahl der Schulabgänger weiter wachsen.

Wirtschaftsminister Dr. Rhiel: „Einen wesentlichen Beitrag zu diesem Ergebnis hat der Hessische Ausbildungspakt geleistet. Er wurde am 6. September 2004 zwischen der Hessischen Landesregierung, der Wirtschaft, den kommunalen Spitzenverbänden und der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit mit einer Laufzeit von drei Jahren geschlossen. Ziel der vertragsschließenden Parteien ist es, durch gemeinsames Engagement nach Kräften eine Trendwende auf dem Ausbildungsstellenmarkt herbeizuführen und jedem ausbildungswilligen und –fähigen Jugendlichen eine Ausbildungschance bieten. Die Gewerkschaften sind weiterhin herzlich eingeladen, als wichtiger Akteur im Ausbildungsgeschehen künftig mitzuarbeiten und ihre Forderung nach einer Ausbildungsplatzabgabe aufzugeben“.

„Der Pakt greift und zeigt erste Wirkungen“, betonte der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Wolfgang Forell. Durch einen erheblichen finanziellen und personellen Einsatz sei es gelungen, das Paktversprechen der Berufsberatung einzulösen und die Zahl der 3.568 zum 30. September noch unversorgten Jugendlichen bis Jahresende erheblich zu senken. Allen ausbildungsuchenden hessischen Jugendlichen seien Angebote unterbreitet worden. Zum Jahresende hätten 978 unversorgten bei den Arbeitsagenturen registrierten Jugendlichen noch 968 unbesetzte Plätze für betriebliche Praktika im Programm Einstiegsqualifizierung für Jugendliche (EQJ) gegenüber gestanden. Wie Forell weiter erklärte „beträgt damit der Abschmelzungsprozess durch die vielfältigen intensiven Nachvermittlungsbemühungen der hessischen Agenturen für Arbeit 72 Prozent. In diesem Zusammenhang haben die Arbeitsagenturen auch ihr Angebot an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen leicht gesteigert und das eigene Ausbildungspotential mehr als verdoppelt. Hierdurch wird das Vorjahresergebnis erheblich übertroffen“. Das Programm EQJ stecke noch in den Anfängen. Forell rechne damit, dass hier in diesem Jahr wesentlich bessere Ergebnisse zu erreichen seien. Ziel des Programms EQJ sei es, Jugendliche durch die frühzeitige Anbindung an echte betriebliche Arbeitsabläufe in qualifizierter Form an eine Ausbildung heranzuführen.

Die hessischen Industrie- und Handelskammern haben mit der Einwerbung von rund 3.380 neuen Ausbildungs- und 1.600 Praktikumsplätzen wesentlich zum Erfolg des ersten Paktjahres beigetragen. „Hinter diesen nackten Zahlen steht eine gewaltige Kraftanstrengung der IHK-Organisation, deren
Ausbildungsberater rund 230 Betriebsbesuche pro Woche absolviert haben. Rund 345.000 Euro Mehraufwand haben die elf hessischen IHKs eingesetzt für Mailing-Aktionen, Call-Center und weitere Marketing-Aktionen“, sagte der Vorsitzende der IHK-Arbeitsgemeinschaft Hessen, Dr. Joachim v. Harbou.

Er kündigte als  weitere zusätzliche Schwerpunkte für 2005 branchengezielte Information besonders über neue und neu geordnete Berufe sowie die Gewinnung zusätzlicher Ausbildungsplätze bei Unternehmen mit internationaler Unternehmensführung an. Im Rahmen der Nachvermittlungsaktionen habe sich gezeigt, dass die Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern noch wesentlich verstärkt werden müsse. „Alle IHKs bieten hier ihre Unterstützung an. Aber auch manche Jugendliche sollten noch mehr Flexibilität und Engagement bei der Berufswahl mitbringen“, so Dr. v. Harbou.

Das hessische Handwerk sei seinen Verpflichtungen und seiner Verantwortung ebenfalls durch erhebliche zusätzliche Anstrengungen nachgekommen, sagte der Geschäftsführer des Hessischen Handwerkstages, Harald Brandes. So seien durch die Ausbildungsberater und über 30 zusätzlich für diese Aufgabe ingesetzten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bei den drei hessischen Handwerkskammern rund 20.000 Betriebe kontaktiert worden. Im Ergebnis hätten 755 Ausbildungsplätze in Betrieben, die erstmals ausbilden und 641 Plätze in Betrieben, die nach längerer Zeit wieder ausbilden, gewonnen werden können. Von den 259 gewonnenen Praktikumsplätzen im EQJ-Programm seien 100 besetzt worden. „Der Pakt hat gegriffen und das hessische Handwerk hat gezeigt, dass es auch ohne eine gesetzliche Regelung einer Ausbildungsplatzabgabe geht“, so Brandes: „Jetzt gilt es, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumachen.“

„Die hessische Wirtschaft hat den Ausbildungspakt erfüllt, aber das kann uns noch nicht zufrieden stellen,“ sagte Professor Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Er appellierte an die Gewerkschaften, „gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden nach tarifvertraglichen Lösungen zu suchen, die die Ausbildungsunternehmen entlasten und die Chancen für Ausbildungsplatzsuchende weiter erhöhen.“ Außerdem betonte er, alle Anstrengungen der Wirtschaft könnten nur dann erfolgreich sein, wenn gleichzeitig die allgemeinbildenden Schulen die Berufsvorbereitung verbessern. Dazu gehörten nicht nur bessere Schulleistungen, sondern auch eine bessere Vorbereitung auf dem Weg in die Eigenverantwortung.

Der Verband Freier Berufe ist – anders als auf Bundesebene – dem hessischen Ausbildungspakt beigetreten. „Erfreulicherweise“, so Präsident Hans-Peter Benckendorff, „konnte trotz rückläufiger Zahl der Plätze in einzelnen Bereichen, z.B. dem Ingenieurwesen, ein Anstieg der Neuabschlüsse erreicht werden.“ Der Verband wolle sich in 2005 noch stärker um die Intensivierung der Ausbildung in seinem Verbandsspektrum bemühen, indem er berufsübergreifend die Maßnahmen der einzelnen Kammern unterstütze und koordiniere.

Auch das Land Hessen habe seine im Pakt zugesagten Leistungen erbracht. Sämtliche Ausbildungs- und berufsvorbereitenden Programme seien wie geplant umgesetzt worden. Insbesondere die Angebote des Hessischen Sozialministeriums für Benachteiligte - wie Ausbildung in der Migration oder für Alleinerziehende - wurden stark nachgefragt. Für die Schaffung von rund 8.500 Plätzen habe das Land rund 46,5 Millionen Euro eingesetzt. Wirtschaftsminister Dr. Rhiel betonte, dass auch in diesem Jahr dieses Angebot ungeschmälert fortgesetzt werde. „In unserem Altbewerber- und Existenzgründerprogramm wurden nicht alle möglichen Plätze belegt. Ich appelliere daher an die mittelständische Wirtschaft, dieses Jahr noch mehr Personen, die seit einem Jahr oder länger eine Ausbildungsstelle zu suchen, ein zusätzliches Angebot mit dieser finanziellen Hilfe zu geben und auch an neu gegründete Betriebe, sich ihr künftiges Fachpersonal durch eigene Ausbildung so früh wie möglich zu sichern.“ Auch die gemeinsamen Projekte mit der Wirtschaft, wie die hessische Dachkampagne „Suche Ausbildung, biete Zukunft“ würden fortgesetzt und das gemeinsam mit den Agenturen für Arbeit geförderte und sehr erfolgreiche Projekt der „summer school“ für Ausbildungsplatzsuchende während der Sommerferien nach Möglichkeit um weitere Standorte verstärkt. Das Angebot Modellfirma „Unternehmen Hessen“, das zwei Großunternehmen für Benachteiligte, aber Ausbildungswillige durchführen, wird vom Hessischen Sozialministeriums fortgesetzt.

Darüber hinaus habe das Land die eigene Ausbildungsleistung mit 834 Neueinstellungen wie versprochen eingelöst.

Eine weitere enorme Kraftanstrengung des Landes bestehe in der Entlastung des Ausbildungsmarktes durch schulische Angebote. Über 40.000 Schülerinnen und Schüler besuchten die verschiedenen beruflichen Vollzeitschulen. Das bedeute eine Zunahme von 2.000 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Die hessische Kultusministerin Karin Wolff legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Verbesserung der Eingangsvoraussetzungen für die Berufsbildung. Es seien den Schulen neu entwickelte Unterlagen zum Training der Methodenkompetenz zur Verfügung gestellt worden, Vergleichsarbeiten und zentrale Abschlussprüfungen dienten der Qualitätssicherung. Das Projekt „kontinuierliche Praxistage“ und die Einrichtung von „SchuB-Klassen“ (Lernen in Schule und Betrieb) hätten zum Ziel, wie im hessischen Pakt zugesagt, die Anzahl der Hauptschulabsolventen ohne Abschluss deutlich zu verringern.

„Im heutigen Gespräch zur Ausbildungsstellensituation wurde festgestellt, dass die Vereinbarungen im hessischen Ausbildungspakt greifen. Es wird in 2005 darauf ankommen, die begonnenen Anstrengungen noch weiter zu intensivieren und zu koordinieren.“, so Wirtschaftsminister Dr. Rhiel. „Alle Paktpartner haben dies zugesagt. Durch eine kontinuierlich arbeitende Controlling-Arbeitsgruppe ist sichergestellt, dass auch kurzfristig gemeinsam etwa zusätzlich erforderliche Maßnahmen auf den Weg gebracht werden können“.


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