IHK-Konjunkturumfrage Hessen Frühjahr 2010 Hessische Wirtschaft: Erwartungen leicht gestiegen

Pressemeldung der IHK Arbeitsgemeinschaft Hessen vom 11.02.2010.

11.02.2010: „Das Jahr 2010 wird für die hessische Wirtschaft zur Nagelprobe. Aktuell mehren sich zwar die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung. Erst im Jahresverlauf wird sich allerdings zeigen, wie nachhaltig diese Entwicklungen sind“, kommentiert Dr. Hubertus Hille, Konjunkturexperte der hessischen IHKs, die Konjunkturumfrage Frühjahr 2010 der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern unter rund 8.500 Mitgliedsunternehmen.

Die Stimmung der hessischen Unternehmen hat sich im Frühjahr 2010 aufgehellt. Der Geschäftsklimaindex steigt zum ersten Mal seit Frühsommer 2008 wieder über die 100-Punkte-Marke, welche die psychologisch wichtige Grenze zwischen negativer und positiver Gesamtstimmung darstellt. Der Indikator liegt derzeit bei 101 Zählern. Dies ist ein Anstieg im Vergleich zur Vorumfrage (Herbst 2009) um 6,7 Punkte.

Dabei verbessert sich sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftslage als auch die Einschätzung der Unternehmen bezüglich des Geschäftsverlaufs in den kommenden zwölf Monaten. Nahezu jedes vierte Unternehmen berichtet momentan von einer guten Geschäftslage. Bei rund 52 Prozent ist die Lage befriedigend. Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet in den kommenden Monaten gleich bleibende Geschäfte, fast 23 Prozent rechnen sogar mit einem besseren Verlauf. Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung im Unternehmen sieht die Mehrheit in der Inlandsnachfrage, aber auch in den Rohstoffpreisen und den Arbeitskosten.

Die Stimmung in der Industrie hat sich merklich aufgehellt. Der Geschäftsklimaindex steigt um knapp 11 Punkte auf 96 Zähler. Die aktuelle Lage beurteilen die Industrieunternehmen weiterhin recht verhalten. Lediglich rund 18 Prozent berichten von einer guten Geschäftslage. Jedoch sehen die Unternehmen recht optimistisch in die Zukunft. Dies ist vor allem den verbesserten Exportaussichten geschuldet. Insbesondere die chemische Industrie gewinnt gegenüber der Vorumfrage an Dynamik: Der Geschäftsklimaindex steigert sich auf 114 Zähler und liegt dabei über dem Wert der meisten anderen Branchen in Hessen. Aber auch bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen sowie im Bereich Elektrotechnik hat sich das Klima deutlich verbessert.

Der Geschäftsklimaindex der regionalen Dienstleister erhöht sich abermals, besonders in der Immobilienwirtschaft, bei den Unternehmensberatern und bei den Werbe- und Marktforschungsunternehmen. Bei den konsumnahen Branchen, wie dem Gastgewerbe oder dem Einzelhandel, fällt die Stimmungsaufhellung erneut moderat aus.

Der überwiegende Teil des hessischen Außenhandels wird mit Handelspartnern innerhalb Europas abgewickelt. Die konjunkturelle Erholung bei wichtigen Abnehmern wie Frankreich entspannt daher auch die hiesige Exportindustrie. Jedes vierte Exportunternehmen rechnet in den kommenden Monaten mit einem Anstieg seiner Ausfuhren. Lediglich 12 Prozent erwarten weiter sinkende Exportzahlen. Im Frühsommer 2009 ging noch fast die Hälfte der Unternehmen von abnehmenden Exporten aus.

Seit der Umfrage im Herbst 2009 haben sich die Beschäftigungsplanungen der hessischen Unternehmen sogar leicht verbessert. Im Laufe des Jahres ist in Hessen mit einem moderaten Rückgang der Beschäftigten zu rechnen. Aktuell planen die Unternehmen weniger drastische Einschnitte beim Personal als noch zu Jahresbeginn 2009. Rund 68 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl konstant halten. 12 Prozent rechnen damit, in den kommenden Monaten Personal aufbauen zu können. Besonders zuversichtlich sind die regionalen Dienstleister: Jedes fünfte Unternehmen möchte künftig vermehrt Mitarbeiter einstellen. Auch in Hessen nutzt hauptsächlich die Industrie das Instrument der Kurzarbeit. Lediglich ein geringer Anteil plant die schlechtere Geschäftslage länger als zwölf Monate mit Kurzarbeit zu überbrücken. Denn: Kurzarbeit ist auch für Unternehmen nicht kostenlos, sie können sich dieses Instrument nicht unbegrenzt lange leisten.

Mit Blick auf die Kreditkonditionen der Unternehmen geht die Schere in Hessen derzeit auseinander: Ein zunehmender Anteil der Unternehmen berichtet aktuell von besseren Konditionen. Gleichzeitig ist auch die Anzahl an Unternehmen, deren Kredite nicht verlängert oder abgelehnt wurden, angestiegen. Dies zeigt die zunehmende Diskrepanz zwischen Unternehmen mit guten und schlechten Ratings. Eine flächendeckende Kreditklemme ist in Hessen weiterhin nicht auszumachen. Kredite sind jedoch teurer geworden: Jedes vierte Unternehmen berichtet von schlechteren Bedingungen, insbesondere sind davon Investitions- und Betriebsmittelkredite betroffen.

Bei den Investitionsplanungen sind die Unternehmen momentan noch sehr vorsichtig. Die Unternehmen sind unsicher, wie sich der Arbeitsmarkt und damit auch der Konsum in Hessen in den kommenden Monaten entwickeln werden. Der Investitionsindikator hat sich im Vergleich zur Vorumfrage lediglich leicht verbessert. Mehr als die Hälfte der Unternehmen möchte immerhin seine Investitionen konstant halten. Das Gastgewerbe ist bei der Investitionsplanung hingegen sehr optimistisch. Hier plant jedes dritte Unternehmen, seine Investitionen auszuweiten.

Weitere Informationen: Alexander Schaub
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