IHK-Konjunkturumfrage Hessen zum Frühsommer 2011: Hessische Wirtschaft in Höchststimmung

IHK-Geschäftsklimaindikator steigt zum Frühsommer auf 132,2 Zähler.

23.05.2011: Die Konjunktur in Hessen hat im Frühsommer im Vergleich zum Jahresbeginn nochmal zugelegt. „Der Konjunkturmotor läuft auf Hochtouren. Die stärksten Treiber sind aktuell die Investitionen, die Belebung des privaten Konsums, sowie der Export“, kommentiert Dr. Mathias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern, die Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern unter rund 8.000 Mitgliedsunternehmen. Trotz der erfreulichen Konjunkturentwicklung befürchtet jedes zweite hessische Unternehmen derzeit wirtschaftliche Einbußen durch steigende Energie- und Rohstoffpreise. „Ambitionierte energiepolitische Ziele sind wichtig, sie dürfen aber die Wettbewerbsfähigkeit von Hessen sowie Deutschland und Europa nicht beeinträchtigen. Dafür ist eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung unabdingbar“, macht Alfred Clouth, Präsident der IHK Offenbach am Main, deutlich. Die Grundlastfähigkeit der Energieversorgung müsse auch in Zukunft gewährleistet sein.

Geschäftsklima. Der IHK-Geschäftsklimaindex liegt aktuell bei 132,2 Zählern (ein Wert von 100 Zählern bildet die Grenze zwischen positiver und negativer Grundstimmung). Dies ist ein Anstieg von 4,1 Punkten gegenüber der Vorumfrage. Hier zeigt sich die hervorragende Stimmung bei den hessischen Unternehmen.

Geschäftslage und Erwartungen. Die Unternehmen sehen sowohl ihre momentane Geschäftslage als auch den weiteren Verlauf erneut positiver als zu Jahresbeginn. Derzeit bewerten rund 48 Prozent ihre Lage als „gut“, nur neun Prozent als „schlecht“. Was die Erwartungen für die nächsten Monate anbelangt, so rechnen 35 Prozent mit einer Verbesserung der Geschäfte. Die Mehrheit von 56 Prozent geht von konstanten Geschäften aus.

Exporte. Aufgrund des ungebrochenen Wachstums in den Schwellenländern sind die Aussichten der Exportwirtschaft weiterhin günstig. In der Auslandsnachfrage sieht lediglich jedes zehnte Unternehmen in Hessen ein Risiko für den weiteren Geschäftsverlauf. Der Exportindikator liegt mit 31,3 Punkten deutlich über dem langjährigen Mittel. Die Exporterwartungen der Unternehmen haben sich seit Jahresbeginn erneut verbessert. 38 Prozent erwarten einen Anstieg ihres Exportvolumens, nur sechs Prozent rechnen mit weniger Exporten in den nächsten Monaten. Mit 56 Prozent gehen die hessischen Unternehmen mehrheitlich von konstanten Ausfuhrzahlen aus. Das positive Bild zeigt sich auch in den Auftragseingängen aus dem Ausland. In der Industrie sind diese in den letzten Monaten bei 41 Prozent gestiegen.

Investitionen. Die hessischen Unternehmen wollen weiterhin kräftig investieren. Hierzu trägt das zunehmende Vertrauen der Unternehmen in die Tragfähigkeit des Aufschwungs bei. Investitionen, die in den Krisenzeiten hinten anstehen mussten, können nun nachgeholt werden. Das steigende Zinsumfeld ist für die Unternehmen nach wie vor günstig. So berichten 29 Prozent, in den nächsten Monaten ihre Investitionen ausweiten zu wollen, 57 Prozent beabsichtigen ihre Investitionen auf dem momentanen Niveau zu halten.

Beschäftigte. Die hessischen Unternehmen planen weiterhin mit einem deutlichen Beschäftigungsaufbau. Rund ein Viertel aller Betriebe geht davon aus, in den nächsten Monaten Stellen zu schaffen. Fast jedes dritte Industrieunternehmen will sein Personal erhöhen, allen voran die Investitionsgüterproduzenten – über 40 Prozent planen mit mehr Stellen. Die unternehmensnahen Dienstleister sind ebenfalls sehr optimistisch. Zusätzliches Personal wird in den kommenden Monaten insgesamt in allen Größenklassen gesucht. Insbesondere planen die Unternehmen mit 20 – 500 Mitarbeitern sowie die Großen mit mehr als 1.000 Beschäftigten einen Personalaufbau.

Risiken. Trotz aller positiven Kräfte, sehen die Unternehmen durchaus Risiken für den weiterhin erfolgreichen Aufwärtstrend:

Rohstoffpreise. Trotz der erfreulichen Konjunkturentwicklung befürchtet jedes zweite hessische Unternehmen derzeit wirtschaftliche Einbußen durch steigende Energie- und Rohstoffpreise. Insbesondere die Industrie, der Handel und das Gastgewerbe sehen sich betroffen. Etwa jedes vierte Unternehmen versucht durch langfristige Bezugsverträge, Planungssicherheit herzustellen. In der Industrie sind dies sogar 42 Prozent, im Gastgewerbe 36 Prozent. Die Gefahren steigender Einkaufspreise für die Unternehmen zeigen sich insbesondere in höheren Produktionskosten. 26 Prozent der hessischen Betriebe überlegen daher, in den nächsten Monaten ihre Preise zu erhöhen. Selbst Produktionsverlagerungen werden derzeit, insbesondere bei den Vorleistungs- und Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten, in Betracht gezogen.

Für eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung muss die Grundlastfähigkeit der Energieversorgung auch in Zukunft gewährleistet sein. Solange die Energiekonzepte der Zukunft diese Grundvoraussetzungen nicht erfüllen, wird ein Mix unter Einbeziehung aller Energieträger weiterhin notwendig sein. Sowohl die energieintensiven Industrien, als auch die Betriebe, die sich mit regenerativen Energietechniken und Effizienztechnologien beschäftigen, müssen eine Zukunftsperspektive haben. Drei Viertel der hessischen Unternehmen wünschen sich von der Politik stärkere Anstrengungen im Bereich Energieforschung und -entwicklung.

Fachkräftemangel. Der Aufschwung macht schneller als erwartet deutlich, was sich bereits seit langem am Horizont abzeichnet: Der Fachkräftemangel rückt mehr und mehr in den Blickpunkt. Die Schwierigkeiten für die Unternehmen  ihre Beschäftigungspläne tatsächlich zu verwirklichen, nehmen zu.  31 Prozent des hessischen Unternehmens sehen im Fachkräftemangel ein entscheidendes Hindernis für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Bei zwölf Prozent hat sich dieser Trend seit dem vergangenen Jahr sogar verstärkt. In den nächsten Monaten will etwa jedes dritte Unternehmen dem Fachkräftemangel mit mehr Aus- und Weiterbildung begegnen. Jedes fünfte Unternehmen will an den Hochschulen und Schulen mehr Präsenz zeigen, und 15 Prozent haben vor, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern.

Jedoch sind auch flankierende Maßnahmen seitens der Politik gefragt. Hierzu gehört eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch einen schnellen Ausbau und weitere Flexibilisierung der Kinderbetreuungsangebote undflexible Lösungen im Bereich der Pflege. Zudem muss es mit Blick auf die Qualität der Schulbildung gelingen, die Ausbildungsvoraussetzungen zu steigern. Mehr Selbständigkeit und Wettbewerb der Schulen könnte hierbei der Schlüssel zum Erfolg sein. Bei der Kooperation von Hochschulen und Unternehmen sind ein größerer Praxisbezug der Lehre sowie ein verbesserter Technologietransfer wünschenswert. Schließlich muss auch die Zuwanderung von qualifizierten Facharbeitern aus Nicht-EU-Ländern erleichtert werden.

Weitere Informationen: Annett Fleischfresser
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