Hessische Wirtschaft: Lage gut - Erwartungen gedämpft

Trotz der Schuldenkrise in Europa und der unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft stabilisiert sich die Wirtschaft in Hessen auf einem gutem Niveau

19.10.2011: „Trotz der Schuldenkrise in Europa und der unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft stabilisiert sich die Wirtschaft in Hessen auf einem gutem Niveau. Über 90 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Die offenen Risiken dämpfen aber die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate“, sagt Dr. Mathias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern. „Jetzt geht es vor allem darum, die Unsicherheiten aus den Märkten zu nehmen. Dazu muss die Politik noch konsequenter handeln und langfristig tragende Lösungen für die Schuldenkrise präsentieren. Die Unternehmen brauchen wieder mehr Planungssicherheit“, fordert Dr. Müller. Für die aktuelle Konjunkturumfrage der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern wurden rund 8.000 Mitgliedsunternehmen befragt.

Geschäftsklima
Der IHK-Geschäftsklimaindex liegt aktuell bei 121 Punkten (ein Wert von 100 Zählern bildet die Grenze zwischen positiver und negativer Grundstimmung). Im Vergleich zur Vorumfrage entspricht dies einem Rückgang von 11 Punkten. Die Wirtschaft in Hessen steht damit nach wie vor auf stabilen Beinen. Besonders die Industrie, das Kreditgewerbe sowie die Unternehmensbezogenen Dienstleister sind gut gestimmt.

Geschäftslage und Erwartungen
Die Unternehmen in Hessen schätzen ihre gegenwärtige Lage als gut ein. Die günstigen Lagebeurteilungen sind um lediglich zwei Punkte auf 45 Prozent zurückgegangen. Die ungünstigen Lagebeurteilungen liegen unverändert bei 9 Prozent. Die Unternehmen blicken etwas skeptischer in die nächsten Monate als noch im Frühsommer. Insgesamt sind die Erwartungen jedoch weiterhin positiv. 23 Prozent der Unternehmen rechnen mit künftig besseren Geschäften, 15 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage verschlechtert.

Exporte
Das Tempo des weltwirtschaftlichen Wachstums wird sich in den nächsten Monaten verlangsamen. Die Unternehmen sehen die weitere wirtschaftliche Entwicklung einiger für Hessen wichtiger Handelspartner in Europa und den USA skeptischer als noch im Frühsommer. Trotzdem erwarten lediglich elf Prozent weniger Ausfuhren. 30 Prozent der Betriebe erwarten sogar steigende Exporte. Dies ist auf die nach wie vor günstigen Entwicklungen in den Schwellenländern zurückzuführen.

Investitionen
Die Investitionen in Hessen werden in den nächsten Monaten etwas langsamer zunehmen als bisher. Jeder vierte Betrieb möchte seine Investitionen ausweiten. Dies ist ein Rückgang um fünf Prozentpunkte im Vergleich zur Vorumfrage. Der Anteil der Unternehmen, die weniger investieren wollen, ist mit 16 Prozent um lediglich zwei Prozentpunkte gestiegen. Die Mehrheit von 60 Prozent will diese Ausgaben konstant halten. Hauptmotiv für die Investitionen ist der Ersatzbedarf. Aber auch in Produktinnovationen und Kapazitätsausweitungen wird weiter investiert.

Beschäftigung und Fachkräfte
Trotz abgekühlter Geschäftserwartungen sind die Beschäftigungspläne der hessischen Unternehmen weiterhin positiv. Jedes fünfte Unternehmen möchte mehr Mitarbeiter einstellen, nur neun Prozent wollen Personal abbauen. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Mitarbeiterzahl konstant halten wollen, liegt bei 71 Prozent. „Die hessischen Unternehmen spüren den Fachkräfteengpass immer deutlicher“, sagt Dr. Müller. Immerhin jedes dritte Unternehmen in Hessen rechnet künftig mit Problemen bei der Fachkräftegewinnung und schon heute haben 39 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen. Auf diesen Engpass wollen 48 Prozent mit mehr Ausbildung reagieren und 47 Prozent wollen mehr in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie mehr Beschäftigung älterer Mitarbeiter stehen bei vielen Unternehmen ebenfalls auf der Agenda. „Allein aus eigener Kraft ist der Fachkräftemangel jedoch nicht zu bewältigen. Die Wirtschaft braucht die Unterstützung der Politik“, betont der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft hessischer IHKs. Diese Forderung spiegelt sich bei den Unternehmen wider: So wünschen sich 64 Prozent der Unternehmen eine bessere Qualifikation der Schulabgänger, 18 Prozent bessere Beschäftigungs-möglichkeiten ausländischer Fachkräfte und jedem dritten Betrieb wäre mit einem weiteren Ausbau der Kinderbetreuung geholfen.

Weitere Informationen: Annett Fleischfresser
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