Ballungsregionen machen Gründer - Meiste Gründungen für Dienstleistungen

Eine Unternehmensgründung trauen sich in Ballungsregionen proportional mehr Menschen zu als im ländlichen Raum.

04.11.2011: Eine Unternehmensgründung trauen sich in Ballungsregionen proportional mehr Menschen zu als im ländlichen Raum. „In den Ballungsregionen sind die Gründungsbedingungen offenbar günstiger, da sich hier potentielle Auftraggeber, Netzwerke, Infrastruktur und Know-how bündeln", sagte Ulrich Spengler, Federführer Strukturpolitik der hessischen Industrie- und Handelskammern und Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel, bei der Vorstellung des Gründerreports der hessischen IHKs in Frankfurt. Bezogen auf 1.000 Einwohner finden Anmeldungen von neu errichteten Unternehmen besonders häufig im Rhein-Main-Gebiet statt.

In den vergangenen beiden Jahren hat die Zahl der Selbstständigen insgesamt wieder kräftig zugenommen, berichteten die hessischen IHKs. Der Saldo von Gewerbean- und abmeldungen, der 2007 und 2008 rückläufig war, ist wieder größer geworden und hat im Jahr 2010 einen Stand von 11.502 Unternehmen erreicht. „Es ist ein gutes Zeichen für die Dynamik in unserer Wirtschaft, wenn sich wieder mehr Menschen eine eigenständige unternehmerische Existenz zutrauen. Die IHKs fördern dies nach Kräften, denn neue Unternehmen bringen Wettbewerb, neue Lösungen für wirtschaftliche Fragestellungen, neue Arbeitsplätze und neue Wertschöpfung." Ein wichtiger Nebeneffekt der zunehmenden Gründungen ist, dass sie sich positiv auf die Arbeitslosenquoten auswirken. Daher fordern die IHKs eine positive Darstellung des Themas Selbständigkeit gerade im schulischen Unterricht. „In den frühen Jahren werden entscheidende Weichen für die Bereitschaft gestellt, den eigenen Ideen und Lösungen zu trauen und damit eine Geschäftsidee umzusetzen", sagte Spengler.

Die meisten Gewerbeanmeldungen finden in Hessen bei freiberuflichen, technischen und sonstigen Dienstleistungen statt. Das zweitgrößte Segment sind Gründungen im Handel und Reparatur von Kraftfahrzeugen, gefolgt vom Baugewerbe. 82 Prozent der Gewerbeanmeldungen erfolgen als Einzelunternehmen. „Dies ist für kleine Unternehmen die einfachste und günstigste Form einer Gewerbeanmeldung", sagt Spengler. Elf Prozent der Gründer wählen die Rechtsform der GmbH, immerhin fünf Prozent der neuen Unternehmer machen sich mit anderen gemeinsam selbständig und wählen dafür die Form der Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR).

Ausländer sind als Gründer in Hessen im Vergleich sehr viel aktiver als Inländer. Der Ausländeranteil der Gründer liegt bei den Einzelunternehmern bei etwa 22 Prozent und damit deutlich über dem landesweiten Ausländeranteil in der hessischen Bevölkerung von 12 Prozent. Polnische Gründer stellen mit 13 Prozent nach den Inländern die zweitgrößte Gruppe, danach folgen türkische Gründer mit fünf Prozent. Frauen schaffen in Hessen mit einem Anteil von 33 Prozent als Gründerinnen eine etwa gleich hohe Quote wie im Bundesdurchschnitt (34 Prozent).

Die hessischen IHKs unterstützen Gründungen mit einer Vielzahl von Angeboten. In Einstiegsgesprächen vermitteln IHK-Experten grundlegende Kenntnisse zur Selbstständigkeit. In der Gründungsberatung erörtern Existenzgründer ihr Geschäftskonzept mit den Experten und klären individuelle Fragen. Im Jahr 2010 haben die IHKs mehr als 23.000 Einstiegsgespräche geführt. 5.200 Gründer nahmen ein ausführliches Beratungsgespräch in Anspruch. Bei den kostenlosen Gründersprechtagen, die die IHKs gemeinsam mit der KfW-Bank, dem RKW, den Landesförderbanken und anderen regelmäßig anbieten, ließen sich 1.565 Interessierte beraten.

 

Weitere Informationen: Annett Fleischfresser
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