Abwasserpreise und -gebühren variieren in Hessen erheblich – Standortnachteile für Kommunen

In Hessen variieren die Preise/Gebühren für Frisch- und Abwasser zwi-schen den Kommunen zum Teil erheblich.

10.05.2012: In Hessen variieren die Preise/Gebühren für Frisch- und Abwasser zwischen den Kommunen zum Teil erheblich. Das ergibt die Studie „Frisch- und Abwassermonitor für das Bundesland Hessen“, die im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern von dem Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR in Darmstadt erstellt wurde. „Es konnten große Unterschiede bezüglich der Preise/Gebühren für Frisch- und Abwasser zwischen den Kommunen in den vergangenen Jahren herausgearbeitet werden“, sagte Matthias Gräßle, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft hessischer IHKs. Die Studie zeigt, dass die Kommune mit dem höchsten Frischwasserpreis beziehungsweise der höchsten Frischwassergebühr circa 435 Prozent mehr pro Kubikmeter verlangt als die Kommune mit dem günstigsten Frischwasserpreis beziehungsweise der günstigsten Frischwassergebühr. In Bezug auf die Abwasserpreise/-gebühren lassen sich noch größere Preisdifferenzen nachweisen.

„Die Frisch- und Abwasserpreise/-gebühren stellen für Unternehmen einen wichtigen Standortfaktor dar“, erklärte Gräßle. „Alle Wasserunternehmen, ob sie nun privatwirtschaftlich organisiert sind oder unter der Regie der Kommunen stehen, verfügen im Endkundengeschäft über eine marktbeherrschende Stellung. Gewerbekunden und Bürger können nicht zu anderen Anbietern wechseln. Den Wasserversorgungsunternehmen fehlen daher insoweit Anreize für effizientes Wirtschaften; steigende Kosten können so in der Regel problemlos auf die Kunden umgewälzt werden. Durch diese Monopolstrukturen entstehen nicht nur den Kunden, sondern der gesamten Volkswirtschaft erhebliche Nachteile“, so Gräßle weiter.

„Das Ziel des Frisch- und Abwassermonitors liegt darin, die Entwicklung der kommunalen Wasserpreise/-gebühren in Hessen transparent für die Mitgliedsunternehmen der IHKs aufzubereiten“ erklärte Dr. Dennis Ostwald, Geschäftsführer von WifOR. „Während die Frischwasserpreise/-gebühren pro Kubikmeter seit dem Jahr 2005 mit einer durchschnittlichen jährlichen Preis/Gebührensteigerung von 1,35 Prozent pro Jahr nur moderat angestiegen sind, wurden die Abwasserpreise/-gebühren je Kubikmeter im Durchschnitt mit mehr als 2,4 Prozent pro Jahr deutlich stärker erhöht“, so Ostwald. Entsprechend der Erhebung sind insbesondere die Preis-/Gebührenspannen zwischen den Kommunen mit den höchsten und niedrigsten Wasserpreisen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Betrugen sie bei den Frischwasserpreisen/-gebühren pro Kubikmeter im Jahr 2005 noch 2,48 Euro, so liegen sie im Jahr 2012 bei 3,09 Euro. „Bei den Abwasserpreisen/-gebühren je Kubikmeter konnten wir eine Erhöhung der Gebühren-/Preisspanne um 1,64 Euro auf 4,49 Euro im Jahr 2012 bei Kommunen ohne Abwassersplitting und bei Kommunen mit Abwassersplitting um 2,42 Euro auf 4,62 Euro feststellen.“

„Die Wasserversorgung erfolgt in Hessen durch etwa 400 verschiedene privat-rechtliche sowie öffentlich-rechtliche Wasserversorgungsunternehmen, welche die 426 hessischen Städte und Gemeinden bedienen. Die Untersuchung hat gezeigt, dass diese Unternehmen verschiedene Berechnungsansätze mit sehr unterschiedlich hohen Einzelpreisen/-gebühren anwenden“, führte Burghard Loewe, Federführer im Bereich Umwelt und Energie der Arbeitsgemeinschaft hessischer IHKs, aus. Die Aufstellung der Preise/Gebühren in allen hessischen Städten und Gemeinden ermögliche nun einen Kostenvergleich für Unternehmen.

Eine Reihe von Kommunen hat die Preise beziehungsweise Gebühren im Zeitraum von 2005 bis 2012 gesenkt. Weilmünster etwa senkte seine Frischwassergebühren um fast 30 Prozent, Linsengericht seine Gebühren um mehr als 20 Prozent. Im Vergleich dazu hat Reiskirchen seine Frischwassergebühren im Zeitraum von 2005 bis 2012 um 90,6 Prozent erhöht, Haina (Kloster) erhöhte seine Gebühren um fast 87 Prozent. Das Land Hessen liegt zwar durchschnittlich mit seinen Frisch- und Abwasserpreisen/gebühren leicht unter dem deutschen Durchschnitt. Ziel müsse aber sein, die vollkommen überzogene Spreizung von Gebühren und Preisen zu reduzieren. „Wir sind sicher, dass es bei vielen Städten und Gemeinden Spielräume für Gebühren- und Preissenkungen gibt“, betonte Loewe.

Über den seit heute im Internet verfügbaren „Abwassermonitor“ (www.wasserpreise-hessen.de) werden regionale Unterschiede in den kommunalen Preisen/Gebühren für Frisch- und Abwasser visualisiert und vergleichbar dargestellt. Damit können Unternehmen ihre anfallenden Frisch- und Abwasserkosten im Zeitverlauf analysieren und zwischen den Kommunen vergleichen. Der Anwender kann dabei die benutzerspezifischen Verbrauchswerte anpassen, die für ihn relevante Region auswählen und entsprechend auswerten lassen.

Ziel der Bemühungen der hessischen IHKs ist es, längerfristig auf eine Senkung der Preise/Gebühren hinzuwirken, um die Kommunen als Unternehmensstandorte attraktiver zu machen. Die Preis-/Gebührensenkung kann beispielsweise über verstärkte interkommunale Kooperationen wie Verbundsysteme erreicht werden. Einsparungen bei der gemeinsamen Wasserförderung oder der Entsorgung von Abwasser könnten so an die Unternehmen, aber natürlich auch an die privaten Haushalte, weitergegeben werden.

 

Weitere Informationen: Anne Waldeck
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