Hessische Landespolitik muss sich stärker zur Dualen Ausbildung bekennen

Die hessische Wirtschaft fordert von den bildungspolitischen Sprechern der Fraktionen im Hessischen Landtag ein klares Bekenntnis zum dualen Ausbildungssystem. Dies machte Joachim Giegerich, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Offenbach (IHK) im Namen der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE) deutlich.

15.08.2013: Die hessische Wirtschaft fordert von den bildungspolitischen Sprechern der Fraktionen im Hessischen Landtag ein klares Bekenntnis zum dualen Ausbildungssystem. Dies machte Joachim Giegerich, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Offenbach (IHK) im Namen der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE) bei einer Veranstaltung mit Hugo Klein (CDU), Mario Döweling (FDP), Heike Habermann (SPD), Mathias Wagner (Bündnis 90/Die Grünen) und Janine Wissler (Die Linke) in der IHK Frankfurt am Main deutlich. „Der Nachwuchs in einem Unternehmen kommt zu 90 Prozent aus dem beruflichen und nicht aus dem akademischen Bereich. Bis ins Jahr 2015 werden 90.000 Fachkräfte allein in Hessen fehlen. Angesichts dieser Zahlen fordern wir von der hessischen Wirtschafts- und Bildungspolitik, dass die Attraktivität der dualen Berufsausbildung deutlich ausgebaut wird“, betonte Giegerich.

Aus Sicht der hessischen Wirtschaft sind dabei zwei Punkte von zentraler Bedeutung. Erstens müsse die Durchlässigkeit des Bildungssystems erhöht werden. Seit dem Jahr 2009 erhalten Absolventen der beruflichen Ausbildung bundesweit einen fachgebundenen Zugang zur Hochschule, wenn sie über eine dreijährige Berufsausbildung verfügen. Allerdings erfolgt die Zulassung in Hessen über eine Prüfung, die nicht immer von der jeweiligen Universität durchgeführt wird. „Ein solches Vorgehen nenne ich nicht Durchlässigkeit oder Transparenz, sondern Abschottung“, kritisierte Giegerich. „Wenn eine Ausbildung auch für Schüler mit sehr guten Noten attraktiv sein soll, muss die Politik den fachgebundenen Zugang zur Hochschule für alle Absolventinnen und Absolventen der dualen Berufsausbildung mit drei Jahren Erfahrung in ihrem Beruf ohne Wenn und Aber umsetzen.“

Zweitens erwartet die hessische Wirtschaft, dass die Landespolitik die Ausbildungsreife der Schulabgänger stärker in den Fokus nimmt. Die jährliche IHK-Ausbildungsumfrage zeigt, dass mittlerweile knappp 50 Prozent der Unternehmen gravierende Mängel bei den elementaren Rechenfertigkeiten und im mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen der Jugendlichen, aber auch bei ihrer Disziplin und Belastbarkeit, sehen. Diese Defizite könnten nicht allein von den Unternehmen aufgefangen werden, kritisierte Giegerich. „Stärken Sie die Ausbildungs- und Studienreife der jungen Menschen, insbesondere durch eine intensivere Berufsvorbereitung an den allgemeinbildenden Schulen. Dann erweist sich so manches staatlich finanzierte Berufseinstiegsprogramm als überflüssig“, forderte Giegerich die bildungspolitischen Sprecher der Fraktionen im Hessischen Landtag auf.

Weitere Informationen: Julia Droege
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