Starkes US-Geschäft und schwacher Euro bringen Hessen Export-Rekord

Hessens Unternehmen haben im Export 2014 maßgeblich von der guten US-Konjunktur und von der Euro-Schwäche profitiert. „Die hessische Ex-portwirtschaft hat erneut ein Rekordjahr eingefahren", sagte Prof. Dr. Ma-thias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE), bei einem Pressegespräch in Frankfurt. „Angesichts der nach wie vor verhaltenen Entwicklung in der Eurozone und der Krise in Osteuropa ist dies ein beachtliches Ergebnis."

19.02.2015: Hessens Unternehmen haben im Export 2014 maßgeblich von der guten US-Konjunktur und von der Euro-Schwäche profitiert. „Die hessische Exportwirtschaft hat erneut ein Rekordjahr eingefahren", sagte Prof. Dr. Mathias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE), bei einem Pressegespräch in Frankfurt. „Angesichts der nach wie vor verhaltenen Entwicklung in der Eurozone und der Krise in Osteuropa ist dies ein beachtliches Ergebnis."

Nach den bisher vorliegenden Zahlen dürften die hessischen Exporte 2014 einen Wert von 59 Milliarden Euro erreicht  und damit das Vorjahresergebnis um drei Prozent übertroffen haben.

Eine  Lokomotive für die hessische Exportwirtschaft waren im letzten Jahr die USA. Die Ausfuhren dorthin zogen gegenüber 2013 um über 17 Prozent  auf rund 7,3 Mrd. Euro an. Bekanntlich ist die hessische Wirtschaft besonders stark auf den US-Markt ausgerichtet. Für Hessen sind die USA Handelspartner Nummer eins mit einem Anteil am Gesamtexport von 12,4 Prozent. Bundesweit rangieren die USA als Zielland deutscher Ausfuhren hinter Frankreich auf Platz 2 mit einem Anteil von 8,5 Prozent  am Gesamtexport. Von der guten US-Nachfrage haben hessische Firmen 2014 also besonders stark profitiert.

Die europäischen Nachbarn bilden nach wie vor den wichtigsten Absatzmarkt für hessische Exporteure. 57 Prozent der Exporte – gut 33 Mrd. Euro –  gehen in die EU, und mit plus 4 Prozent trägt die EU-Nachfrage maßgeblich zur positiven Bilanz des letzten Jahres bei. Das Gros der Zuwächse entfiel dabei allerdings auf Länder, die nicht der Eurozone angehören, insbesondere Großbritannien, Polen und z.B. Ungarn. In der Eurozone verzeichneten z.B. Spanien und Österreich deutliche Zuwächse, aber auch Kunden aus Frankreich, dem zweitwichtigsten Handelspartner, orderten - trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes dort - fast 6 Prozent  mehr Waren aus Hessen.

Anders als in früheren Jahren kamen die entscheidenden Impulse für den hessischen Export diesmal nicht aus Asien. Die Exporte nach China haben sich zwar mit einem Plus von rund 6 Prozent auch 2014 weiter erfreulich entwickelt. Das Land steht mittlerweile mit einem Exportvolumen von 2,8 Mrd. Euro auf Platz 6 der wichtigsten Ausfuhrländer für Hessen. Der Export in eine Reihe anderer wichtiger Abnehmer, so etwa Japan, Korea, Taiwan, Hongkong und Australien, hatte aber teils erhebliche Einbußen zu verzeichnen. Im Ergebnis lagen die Ausfuhren nach Asien (9,6 Mrd. Euro) sogar etwa 1 Prozent unter Vorjahresniveau.

Für 2015 gehen die meisten volkswirtschaftlichen Prognosen davon aus, dass die Weltwirtschaft sich moderat aufwärts entwickeln wird, und zwar mit einem ähnlichen Muster wie im Vorjahr. Und auch die Unternehmen im IHK-Bezirk Frankfurt am Main sind zuversichtlich. Laut der jüngsten Konjunkturumfrage rechnen 61 Prozent der Unternehmen mit einem etwa gleichbleibenden Auslandsgeschäft. 32 Prozent erwarten sogar steigende Exportumsätze in 2015.  

Vor dem Hintergrund der intensiven bilateralen Wirtschaftsbeziehungen Hessens zu den USA betonte Prof. Dr. Müller, dass die Verhandlungen zur transatlantischen Freihandelszone (TTIP) gerade für Hessen eine große Chance bedeuteten. „Die besonderen Chancen von TTIP liegen vor allem im Abbau bürokratischer und regulatorischer Hürden. Unternehmen, die auf beiden Märkten agieren, haben es mit höchst unterschiedlichen Normen, Standards und Zertifizierungsvorschriften zu tun", sagte der ARGE-Vorsitzende. Gerade Mittelständler beklagten doppelte Zulassungs- und Prüfungspro­ze­du­ren mit hohem Zeit- und Kostenauf­wand und nicht selten unterschiedliche Produktvarianten, die entwickelt bzw. vorgehalten werden müssen. „TTIP bietet die Chance, durch gegenseitige Anerkennung – dort wo die zu Grunde liegenden Schutzziele die gleichen sind – Bürokratie abzubauen." Es gehe auch um Erleichterungen beim Fachkräfteaustausch, verbesserten Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen, einfachere Zollabwicklung und Harmonisierung von Ursprungsregeln.

Zudem gehe die Verflechtung über den reinen Export/Import weit hinaus. Gut ein Fünftel aller deutschen Direktinvestitionen in den USA stammen aus Hessen, rund 56 Mrd. Euro. FrankfurtRheinMain wiederum ist ein Zentrum der amerikanischen Wirtschaft hier in Europa. Allein die IHK Frankfurt am Main zählt 520 im Handelsregister eingetragene Unternehmen mit Herkunft USA, die erheblich zur Wirtschaftsdynamik der Region beitragen.

Bei den Bedenken, die gegen die TTIP-Verhandlungen aufgekommen sind, spielen Befürchtungen, dass die hohen Verbraucher-, Umweltschutz-, Gesundheits- und Sozialstandards in der EU über TTIP aufgeweicht werden, eine entscheidende Rolle. „Diese Bedenken müssen erst genommen werden, und mein Eindruck ist, dass dies auch der Fall ist", sagte der ARGE-Vorsitzende. Beide Verhandlungsseiten hätten früh deutlich gemacht, dass es einen solchen Abbau von Standards nicht geben soll.

Eine Herausforderung für die hessische Wirtschaft bleibe in diesem Jahr das Russlandgeschäft. Der Abwärtstrend, der bereits 2013 mit einem Exportrückgang von knapp 9 Prozent  zu Buche schlug, beschleunigte sich in diesem Jahr weiter und resultierte in einem Rückgang von nochmals 17 Prozent . Innerhalb von zwei Jahren ging das Geschäft mit Russland also um ein Viertel zurück. Durch die Wirtschaftssanktionen, die angesichts der Eskalation des Ukraine-Konflikts vor gut einem Jahr als Druckmittel gegen Russland verhängt wurden, gehen Aufträge und Kunden verloren und Investitionen müssen zum Teil abgeschrieben werden. Es seien Zweifel angebracht, dass die Sanktionen ihr politisches Ziel erreichen, sagte der ARGE-Vorsitzende. „In einer globalisierten Wirtschaft werden Sanktionen leicht zu einem stumpfen Schwert." Asien beteilige sich in weiten Teilen nicht daran, und hier könne Russland eigentlich alles bekommen, was es brauche.

Der zentrale Treffpunkt der hessischen Exportwirtschaft wird 2015 der Hessische Außenwirtschaftstag sein, der am 7. Juli 2015 in der IHK Frankfurt am Main stattfindet. Am Vorabend, dem 6. Juli 2015, wird ebenfalls in Frankfurt der Hessische Exportpreis 2015 verliehen, der herausragende internationale Geschäftserfolge hessischer KMUs prämiert.

Weitere Informationen: Anne Waldeck
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