Stabile Entwicklung auf hohem Niveau

Nach dem Fünfjahreshoch zu Jahresbeginn trübt sich die Stimmung unter den hessischen Unternehmen im Frühsommer nur leicht ein.

23.05.2016: Nach dem Fünfjahreshoch zu Jahresbeginn trübt sich die Stimmung unter den hessischen Unternehmen im Frühsommer nur leicht ein. „Die hessische Wirtschaft ist weiter auf Wachstumskurs und wird es in den nächsten Monaten wohl auch bleiben. 41 Prozent der hessischen Unternehmen berichten von guten Geschäften, nur acht Prozent sind mit ihrer derzeitigen Geschäftslage nicht zufrieden. Der Geschäftsklimaindex gibt in fast allen Branchen leicht nach – Ausnahmen bilden der Einzelhandel und das Baugewerbe. Sie profitieren von den nach wie vor hohen Konsumausgaben und den Investitionen der öffentlichen Hand zur Flüchtlingsunterbringung“, sagte Prof. Dr. Mathias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE), anlässlich der Pressekonferenz zur aktuellen Konjunkturumfrage unter den Mitgliedsunternehmen der hessischen IHKs.

 

Trotz historisch niedriger Zinsen nimmt die Investitionsbereitschaft der hessischen Unternehmen keine Fahrt auf. „Der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionsbudgets ausweiten wollen, sinkt von 24 auf 21 Prozent. Zahlreiche wirtschaftspolitische Richtungsentscheidungen führten und führen dazu, dass die Unternehmen um ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit fürchten. Die Rente mit 63 und die aktuellen Diskussionen, die zu einer weiteren Verteuerung der Renten führen würden sowie die anstehenden Änderungen beim Leiharbeitergesetz und der Erbschaftssteuer, belasten die Unternehmen“, erläutert der ARGE-Vorsitzende.

 

Innereuropäische Grenzkontrollen, der unsichere Ausgang der TTIP- Verhandlungen und die Entscheidung der Briten über den Verbleib in der EU machen den hessischen Exporteuren zu schaffen. Nur noch 21 Prozent rechnen mit einem steigenden Exportvolumen, sieben Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn. „Gerade der ‚Brexit‘ wäre ein herber Schlag für die hessischen Unternehmen. Im letzten Jahr gingen knapp acht Prozent der Exporte in das Vereinigte Königreich. Hinter den USA und Frankreich ist das Vereinigte Königreich damit einer der Hauptabnehmer hessischer Exporte. Der Austritt Großbritanniens aus der EU würde den Handel zunächst erschweren und auch verteuern“, so der ARGE-Vorsitzende weiter.

 

Neben offenen Grenzen, freiem Handel innerhalb Europas und dem Handelsabkommen mit den USA müssen auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für den Mittelstand angegangen werden: „Wir brauchen ein verlässliches und innovationsfreundliches Umfeld. Hoher Bürokratieaufwand, der sich zuletzt durch die Aufzeichnungspflichten beim Mindestlohn weiter verschärft hat und auch die anstehende Reform der Erbschaftssteuer erhöhen die Unsicherheiten. Die Unternehmen schieben ihre Investitionen dementsprechend weiter auf. Dabei bieten das niedrige Zinsniveau, Rekordsteuereinnahmen und Milliardenüberschüsse im Haushalt derzeit eigentlich optimale Rahmenbedingungen für Investitionen und Reformen“, kommentiert Prof. Dr. Mathias Müller.

 

Den höchsten Wert beim Geschäftsklimaindex verzeichnen die unternehmensbezogenen Dienstleister mit 128 Punkten (minus sechs Punkte zur Vorumfrage), dicht gefolgt von der Bauwirtschaft mit 127 Punkten (plus fünf Punkte). Auch die Industrie ist zufrieden: Mit 123 Punkten kann der Klimaindex sein hohes Niveau halten (minus drei Punkte). Mit Ausnahme des Baugewerbes (plus fünf) und des Einzelhandels (plus zwei Punkte) gibt der Geschäftsklimaindex in allen Branchen nach. Am stärksten ist der Rückgang in der Finanz-, Kredit- und Versicherungswirtschaft: Im Vergleich zur Vorumfrage fällt der Klimaindex um elf Punkte. Hier bereiten fehlende Zinsüberschüsse vor allem den Banken zunehmend Probleme.

 

Für die Konjunkturumfrage werden dreimal im Jahr 9.000 hessische IHK-Mitgliedsunternehmen befragt. Weitere Ergebnisse, auch aus den einzelnen Branchen, sind im Konjunkturbericht der Arbeitsgemeinschaft Hessen erläutert. Er steht unter folgendem Link zum Download bereit: Konjunkturbericht

Weitere Informationen: Reinhard Fröhlich
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