Hessische Wirtschaft zum Brexit

Die hessische Wirtschaft bedauert die Entscheidung in Großbritannien zum Austritt des Landes aus der EU. Die negativen wirtschaftlichen Folgen werden Großbritannien und die anderen Mitgliedsländer des EU-Binnenmarktes zu tragen haben.

24.06.2016: Die hessische Wirtschaft bedauert die Entscheidung in Großbritannien zum Austritt des Landes aus der EU. Die negativen wirtschaftlichen Folgen werden Großbritannien und die anderen Mitgliedsländer des EU-Binnenmarktes zu tragen haben. Politik und Wirtschaft in den EU-Ländern sind nun aufgerufen, die Auswirkungen dieses europapolitischen Rückschlags zu begrenzen und den Zusammenhalt der Union ohne Großbritannien zu sichern. Durch zielführende Vereinbarungen mit Großbritannien muss gewährleistet werden, dass der europäische Binnenmarkt seine Erfolgsgeschichte auch künftig fortsetzen kann. Diese Vereinbarungen sollten baldmöglichst erzielt werden, damit der Außenhandel mit Großbritannien so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gerät und Unsicherheiten bei den Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals vermieden werden.

 

Für Hessen hat die Entscheidung in Großbritannien eine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung. Die hessischen Exporte nach Großbritannien beliefen sich im letzten Jahr auf 4,5 Mrd. Euro, was einem Anteil von 7,5 Prozent aller hessischen Exporte entspricht. Damit ist das Königreich nach den USA und knapp hinter Frankreich der drittwichtigste Auslandsmarkt für uns. Dazu sind hessische Unternehmen und die deutsche Wirtschaft insgesamt stark mit Direktinvestitionen in Großbritannien präsent. Nur in den USA sind die deutschen Direktinvestitionen noch höher. Beides verdeutlicht die enge wirtschaftliche Vernetzung zwischen Deutschland bzw. Hessen und dem Königreich, die sich auch in ausgeprägten grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten widerspiegelt. 

 

Es ist nun zu befürchten, dass sich die Folgen des britischen Austritts mittelfristig in einem Rückgang der hessischen Exporte und der Direktinvestitionen niederschlagen werden. Den Zugang Großbritanniens zum EU-Binnenmarkt neu zu verhandelt dürfte sich über Jahre hinziehen. Für die deutschen Investitionen in Großbritannien ändern sich die Rahmenbedingungen, Wertschöpfungsketten müssen neu austariert werden, was ggf. Verlagerungen und Abschreibungen nötig macht und die Ertragssituation von Unternehmen, die in Großbritannien exponiert sind, erheblich belasten kann. Mit einer Neujustierung des britischen Pfund auf niedrigerem Niveau wird zudem die preisliche Wettbewerbsfähigkeit britischer Unternehmen zulasten deutscher Konkurrenten hier und auf Drittmärkten zunehmen.

 

Das negative Votum der Briten für die EU sollte als Mahnung an die Europäischen Institutionen verstanden werden. Die europapolitischen Baustellen sollten die Regierungschefs nun mit neuer Entschlusskraft angehen. Aus Sicht der Wirtschaft zählen dazu etwa die Jugendarbeitslosigkeit durch praxisnahe berufliche Bildung an der Wurzel zu packen, Handelshemmnisse weiter zu verringern, Bürokratie abzubauen und einheitliche Steuerbemessungsgrundlagen für Unternehmen voranzubringen.

Weitere Informationen: Reinhard Fröhlich
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