Hessische Exportwirtschaft erwartet Einbußen wegen Brexit

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) wird für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Hessen und Großbritannien nicht nur kurzfristig eine Abkühlung bringen, sondern der Standort UK verliert auch langfristig an Attraktivität für die hessischen Unternehmen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter hessischen Firmen kurz nach der Entscheidung der Briten, die vom 27. bis 29. Juni durchgeführt wurde.

12.07.2016: Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) wird für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Hessen und Großbritannien nicht nur kurzfristig eine Abkühlung bringen, sondern der Standort UK verliert auch langfristig an Attraktivität für die hessischen Unternehmen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter hessischen Firmen kurz nach der Entscheidung der Briten, die vom 27. bis 29. Juni durchgeführt wurde. Der  Wegfall der Binnenmarkt-Vorteile kann demnach zur Zunahme nicht-tarifärer Handelshemmnisse, etwa durch zusätzliche Bürokratielasten, Bescheinigungen oder auch Unterschiede in der Rechtssetzung, sowie zur Wiedereinführung von Zöllen und zusätzlichen Steuern führen.

 

Von dem beschlossenen EU-Austritt erwarten die hessischen Unternehmen der Umfrage zufolge klar negative Auswirkungen auf ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Königreich, vor allem mittelfristig. Schon für die zweijährige Verhandlungsphase erwartet immerhin jedes vierte Unternehmen (25%) einen Rückgang der Exporte nach Großbritannien. 70% der Unternehmen gehen davon aus, dass sich in dieser Phase noch keine negativen Auswirkungen auf das UK-Geschäft bemerkbar machen werden. Mittelfristig rechnet dann jedoch mehr als jedes zweite Unternehmen (55%) mit einem Rückgang der Exporte. Nur noch 41% der Unternehmen gehen auf mittlere Sicht von gleichbleibenden Exporten aus.

 

Vergleichbare Bremsspuren erwarten die Unternehmen auch auf der Einfuhrseite. Kurzfristig, d.h. während der Verhandlungsphase in den nächsten zwei Jahren, rechnet knapp ein Viertel (24%) mit einem Rückgang seiner Importe aus dem Königreich. Rund 71 % erwarten hier keine Änderungen auf kurze Sicht, d.h. in den nächsten zwei Jahren. Auf längere Licht gehen jedoch 52% der Unternehmen auch von verringerten Einfuhren aus.

 

Für die hessische Exportwirtschaft ist Großbritannien ein wichtiger Auslandsmarkt. Die hessischen Ausfuhren dorthin beliefen sich im letzten Jahr auf 4,5 Mrd. Euro, was einem Anteil von 7,5 Prozent aller hessischen Ausfuhren entspricht. Damit ist das Königreich nach USA und knapp hinter Frankreich der drittwichtigste Auslandsmarkt für die hessische Wirtschaft. Bei den Importen rangiert das Land mit einem Volumen von 3,3 Mrd. Euro auf Rang 9 der wichtigsten hessischen Einfuhrländer. Viele hessische Unternehmen sind zudem mit Tochterunternehmen, Zweigstellen und Filialen in Großbritannien investiert. Bei den Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen rangiert UK hinter den USA auf Platz 2. Beides verdeutlicht die enge wirtschaftliche Vernetzung zwischen Deutschland bzw. Hessen und dem Königreich.

Wenn Großbritannien aus der EU austritt und damit wichtige Vorteile eines Gemeinsamen Marktes auf der Insel möglicherweise nicht mehr gelten, müssen auch hessische Unternehmen ihr Engagement neu bewerten. Ein dramatischer Schwenk ist zwar nicht zu erwarten, immerhin sehen 57% der Unternehmen, die heute mit Tochterunternehmen, Zweigstellen oder Filialen in Großbritannien präsent sind, aktuell keinen Anpassungsbedarf infolge des Brexits. 30 %, fast jedes dritte Unternehmen, wollen ihr Investitionsbudget in Großbritannien nach unten anpassen – im Saldo also auch bei den Investitionen ein negativer Ausblick. Das wird dann voraussichtlich auch mit einem Abbau von Beschäftigung einhergehen (30%), die Mehrheit der Unternehmen (70%) hat allerdings konkret keine entsprechenden Planungen.

 

Welche genauen Auswirkungen der Brexit für die hessische Wirtschaft haben wird, ist derzeit nicht abschließend absehbar. Sie hängen wesentlich vom Inhalt und Ausgang der Austrittsverhandlungen ab und von den wirtschaftspolitischen Schritten, die die britische Regierung unternehmen wird. Die Unsicherheit ist aber groß und wirkt schon kurzfristig als Dämpfer für die Konjunktur. Der DIHK erwartet deutschlandweit einen Rückgang der Exporte nach Groß-britannien um rund 1% in diesem Jahr und um 5% in 2017. Dieser Trend dürfte auch für die hessischen Unternehmen gelten. Darauf deuten die Ergebnisse der Umfrage hin, und die Richtung wurde in ersten drei Monaten 2016 mit einem Rückgang der hessischen Exporte nach Großbritannien um rund 2% bereits eingeschlagen.

 

Die Befragung zu den Auswirkungen des Brexit-Votums wurde von den IHKs vom 27. bis 29. Juni 2016 durchgeführt. In Hessen haben sich insgesamt 955 Unternehmen an der Umfrage beteiligt.

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