Hessische IHKs kritisieren Weiterbildungspakt

Mit dem heute unterzeichneten Weiterbildungspakt der Hessischen Landesregierung erweckt die Landesregierung einen unzureichenden Eindruck vom Weiterbildungsgeschehen und Weiterbildungsmarkt in Hessen.

30.09.2016:

Mit dem heute unterzeichneten Weiterbildungspakt der Hessischen Landesregierung erweckt die Landesregierung einen unzureichenden Eindruck vom Weiterbildungsgeschehen und Weiterbildungsmarkt in Hessen. Der Pakt, der lediglich die grundsätzlich akzeptable Finanzierung von Volkshochschulen und anderen, aber längst nicht allen Weiterbildungsanbietern in Hessen stabilisieren soll, spiegelt mit seinem Titel nicht den pluralen und äußerst differenzierten Bildungsmarkt in Hessen wieder. Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE) hin, zu deren Mitgliedern mehrere hundert privatwirtschaftlich organisierte Weiterbildungsunternehmen zählen. Diese tragen ebenso wie öffentlich geförderte Träger zum Lebensbegleitenden Lernen bei. „Eine sorgfältigere Formulierung im Pakt hätten wir uns schon von der Landesregierung gewünscht, die an anderer Stelle gern die Verantwortung der Unternehmen für die Weiterentwicklung ihrer Beschäftigten, aber auch die Eigenverantwortung von Arbeitnehmern für ihr berufliches Fortkommen betont", sagt Dr. Udo Lemke, Vorsitzender des Ausschusses Bildungswirtschaft der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main.

 

Die privatwirtschaftlich organisierten Anbieter, die z. B. in der IHK Frankfurt am Main im Ausschuss Bildungswirtschaft zum Weiterbildungspakt eine Stellungnahme erarbeitet haben, vermissen explizite Aussagen im Weiterbildungspakt zum Verhältnis von mit öffentlichen Mitteln finanzierten Bildungsträgern und bereits vorhandenen Angeboten privater Anbieter. Private Anbieter sollten unter der Maßgabe des Wettbewerbsrechts und des Subsidiaritätsprinzips bei öffentlichen Ausschreibungen zu Bildungsangeboten berücksichtigt werden, öffentlich geförderte Anbieter sollten mit Marktpreisen kalkulieren. Gerade in letzter Zeit sind hier bei Sprachkursen für Flüchtlinge Wettbewerbsverzerrungen aufgetreten.

 

Vor diesem Hintergrund ist auch die angestrebte Professionalisierung der Weiterbildungsberatung zu sehen. Im Weiterbildungspakt fehlen Aussagen dazu, dass trägerneutral beraten und auch Angebote privater Unternehmen vorgestellt werden.

Weiter fordern die hessischen IHKs im Namen ihrer privatwirtschaftlich agierenden Bildungsanbieter, dass Konzepte zum Erwerb von pädagogischen Grundfertigkeiten und Fortbildung zu Medien- und internetgestützten Lernbausteinen veröffentlicht werden, da sie ja von öffentlichen Mitteln finanziert werden.

 

Wie bei anderen Pakten, die die Landesregierung geschlossen hat, sollte auch der Weiterbildungspakt mit konkret messbaren Kriterien und Indikatoren hinterlegt werden.

Weitere Informationen: Anne Waldeck
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