Gewerbesteuerliche Belastungen für die Reise- und Touristikbranche
„Urlaubssteuer“ - nein danke!

Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) unterstützt das Anliegen der Reiseverbände in Deutschland, die Praxis der Hinzurechnung von Hotelleistungen für Reise- und Tourismusunternehmen bei der Gewerbesteuer („Urlaubssteuer“) nachhaltig zu ändern.

„Die betroffenen Unternehmen sind einer erheblichen Unsicherheit ausgesetzt und müssen mit hohen Steuernachforderungen rechnen. Der Deutsche Reiseverband hat in bestimmten Fällen künftige Steuerquoten von über 70 Prozent des Gewinns errechnet. Wir fordern die neue Bundesregierung zu einer grundlegenden Korrektur auf“, betont Dr. Matthias Leder, Hauptgeschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg und Federführer Steuern des HIHK.

 

Von der Regelung betroffen ist unter anderem das Familienunternehmen Service-Reisen Heyne GmbH & Co. KG in Gießen. „Für unser Unternehmen besteht dadurch ein erhebliches Steuerrisiko. Alleine unsere aktuelle Steuerprüfung ergab eine Nachzahlung im mittleren sechsstelligen Bereich, die durch diese Prüfung als Liquidität verfügbar sein muss. Dazu kommen noch erhebliche Nachzahlungszinsen von sechs Prozent im Jahr“, berichtet Karl Heyne, Geschäftsführer von Service-Reisen. „Das sind natürlich Beträge, die für Investitionen nicht mehr zur Verfügung stehen. Und diese Erhebung hat mit ,Steuergerechtigkeit‘ auch nichts mehr zu tun.“

 

Der Deutsche Reiseverband schätzt die steuerlichen Mehrbelastungen für alle betroffenen Unternehmen auf 230 Millionen Euro im Jahr. Rückwirkend könne es somit zu Steuernachforderungen in Höhe von mehr als 1,4 Milliarden Euro kommen. „Diesen Hinzurechnungstatbestand, welcher erhebliche Steuerrisiken beinhaltet, sollte der Gesetzgeber umgehend abschaffen und sich davon klar distanzieren“, ergänzt Heyne.

 

„Die gewerbesteuerliche Hinzurechnung gefährdet Arbeitsplätze und kann zu Marktaustritten und Standortverlagerungen von Touristikunternehmen ins Ausland führen. Selbst Betriebsaufgaben könnten die Folge sein. Das sind keine guten Voraussetzungen für den deutschen Tourismusstandort,“ warnt Leder.

 

Bislang habe die Politik nicht reagiert. Bis zu einem klärenden Urteil des Bundesfinanzhofs, welche Leistungen bei der Gewerbesteuer für Reiseunternehmen tatsächlich hinzuzurechnen sind, werde es voraussichtlich noch lange dauern. Die IHK-Organisation setzt sich seit mehreren Jahren für eine deutliche Reduzierung der gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen und der Besteuerung von Finanzierungskosten ein.

 

Der Aufruf der Reiseverbände gegen die „Urlaubssteuer“ findet sich auf der Internetseite www.urlaubssteuer.de.

Ansprechpartner: Klaus Linke
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